5. Umweltrisiken bei der Herstellung von Drogen

Hier soll ein Überblick gegeben werden, welche Umweltrisiken bei der illegalen Herstellung von Drogen entstehen
Besonders bei der Produktion können ökologische Standards nicht eingehalten werden. Je nach Drogenart und Herstellungsart gibt es mehr oder minder große Umweltgefahren. Die wichtigsten und meist konsumierten Drogen werden im folgenden auf diesen Aspekt hin beschrieben.
5.1. Cannabis
Die Herstellung von Haschisch und Marihuana birgt theoretisch keinerlei ökologische Risiken. Hanf wächst auf vielen Böden und in nahezu allen Klimazonen gut, braucht in der Regel keine chemischen Insektizide oder Fungizide und laugt die Böden nicht sonderlich aus. Haschisch, die Harzkristalle der Hanfblüten, wird mechanisch, ohne das Verwenden von chemischen Hilfsmitteln gewonnen. Marihuana sind lediglich die getrockneten Blüten der weiblichen Hanfpflanze. Es gibt allerdings auch Haschöl mit einer THC Konzentration von bis zu 90%. Es lässt sich auf verschiedene Arten herstellen, mit Hilfe von Lösungsmitteln und neuerdings durch Treibgas-Butan Extraktion. Im ersten Fall entweichen die Lösungsmittel oft in die Atmosphäre, professionelle Ablüftvorrichtungen und Lösungsmittelrückgewinnungsprozesse bilden aufgrund der Illegalität und des höheren Aufwandes die absolute Ausnahme. Lösungsmittel sind Gifte und können Gewässer nachhaltig schädigen. Der zweite Weg ist erst in den letzten 3 Jahren populär geworden. Hierbei wird für die Extraktion flüssiges Butangas verwendet. Es wird unter hohem Druck durch Pflanzenmateriale gepresst und anschließend in die Atmosphäre freigesetzt. Dabei wird das ÖL extrahiert. Für wenige Gramm Haschöl fallen etliche Kubikmeter Butangas an, ein hochgradiges Treibhausgas. Die Produktion von Haschöl liegt jedoch auf einem marginalen Level und ist weniger bedeutend. Die Sicherstellungsmengen 2004 in der BRD lagen bei
0 Kg .
Die ökologischen Risiken, die durch das Hanfverbot entstanden sind, lassen sich im Anbau beobachten. Als exemplarisches Beispiel kann der Karibikinselstaat Jamaika herangezogen werden. Nachdem es nach der Ölkrise enorme Wirtschaftsprobleme gab und der Nahrungsmittelexport in die USA durch hohe US-Subventionen für die eigene Nahrungsmittelindustrie als Deviseneinnahme wegfiel, suchten sich viele verzweifelte Bauern eine andere Einnahmequelle, das hochprofitable Marihuana. „Als Mitte der 80er der Hanfboom auf Jamaika dazu führte, dass immer mehr jungfräulicher Regenwald dem Ganjaanbau geopfert wurde, mischte sich Präsident Sega ein. Eine groß angelegte Propagandakampagne zeigte unter anderem im TV die Folgen der illegalen Waldrodungen der Ganjabauern und sorgte für eine Eindämmung der Auswüchse.“ Dies ist eines der Hauptprobleme beim konventionellen Freilandanbau, die Rodung von natürlichen, schützenswerten Flächen. Durch die Illegalität sind die Produzenten gezwungen, in immer abgelegenere Gebiete vorzustoßen. Die Gefahren, die mit einer Monokultivierung einhergehen, kommen hinzu. Weltweit nimmt der Cannabiskonsum laut UN-Daten zu , in Deutschland ist allein in den letzten 10 Jahren ein Zuwachs im zweistelligen Prozentbereich beim Cannabiskonsum zu verzeichnen. Die gestiegene Nachfrage wird durch den Ausbau der Anbauflächen gedeckt.
Beim konventionellen Freilandanbau gibt es in einigen Ländern, vornehmlich Südamerikas, noch ein weiteres Umweltrisiko. Wenn der Kampf gegen Drogen mit „heißen“ Mitteln gefochten wird. Im Konkreten heißt dies, dass durch gezielte Luftüberwachung illegale Plantagen ausfindig gemacht werden und in einer militärischen Aktion vernichtet werden. Diese Praxis wurde unter Nixon populär. In der von den USA initiierten Operation „Condor“ ging es um die gezielte Auslöschung von Drogenplantagen. „Hubschrauber mit speziellen Sprühvorrichtungen und kleine Düsenmaschinen kippten im Flug das Entlaubungsmittel Gramoxon über den Schluchten und an den Hängen ab. Es war dieselbe Chemikalie wie das berüchtigte Agent Orange, das in Vietnam verwendet worden war und dort Geburtsschäden hervorgerufen hatte. Gramoxon enthielt nur einen anderen Zusatzstoff. Die mexikanischen Piloten lernten die Sprühtechnik im praktischen Einsatz von amerikanischen Ausbildern, die ihre Erfahrungen im Vietnamkrieg gemacht hatten.“
Die mit der Operation „Condor“ eingeleiteten Sprühaktionen halten bis heute an. Der Cannabismarkt hat sich wie schon mehrfach angedeutet in den letzten 15 Jahren grundlegend reformiert. Der Innenanbau von Cannabis unter Kunstlicht hat explosionsartig zugenommen. Es ist sehr schwer, zuverlässige Daten zu erhalten, da in den meisten Statistiken nicht zwischen Marihuana aus Freilandbau und Kunstlichtanbau unterschieden wird. Es ist jedoch davon auszugehen, dass der Deutsche Cannabismarkt bereits zu mehr als einem Drittel von Cannabis aus Kunstlichtanbau bedient wird. Für den Kunstlichtanbau rechnet man durchschnittlich mit 400 Watt pro Quadratmeter und einem Ertrag zwischen 300 und 600 Gramm nach 3-4 Monaten à 12 Stunden Licht pro Tag. Mit den entsprechenden Daten ließe sich der Stromverbrauch der Cannabis-Indoor-Industrie leicht ermitteln. Er dürfte sehr hoch sein. Es macht ökologisch gesehen überhaupt keinen Sinn unter Kunstlicht Pflanzen anzubauen. Die Illegalität und hohe Gewinnspannen machen diese ökologische Straftat rentabel. Hinzu kommen weitere umwelttechnischen Faktoren wie die Wahl des Substrates. Hydroponische Systeme werden von professionellen Anbauern bevorzugt. Hierbei bildet das Substrat meist Steinwolle, ein mit Asbest belastetes, nicht Recycling- fähiges Material, welches normalerweise speziell entsorgt werden sollte. Nährlösungen werden nicht selten im Abfluss entsorgt. Ventilatoren, Kühlsysteme und dergleichen verbrauchen ebenfalls Strom. Der Boom beim Innenanbau wird unvermindert anhalten, solange Hanf im Garten anzubauen mehr Gefahren birgt. Dem entgegen wirken nur neu entwickelte Energiesparlampen, welche Energieeinsparungen bis zu 50% zulassen.
Die Drogen Marihuana und Haschisch könnten jedoch zu 100% ökologisch gewonnen werden, ohne jeglichen Einsatz von chemischen Hilfsmitteln.

5.2. Heroin und Opiate

Die weltweite Produktion von Opium ist nach dem Sturz der Taliban in Afghanistan in die Höhe geschnellt. Die Produktion und Veredelung findet zunehmend in der Region des „goldenen Halbmondes“ statt. Global gesehen ist die Opiumpruduktion allerdings leicht rückläufig, die der Konsumenten ebenfalls. Mohn wird ausschließlich im Freilandbau kultiviert. Rodungen und Monokultivierungen sind hierbei ökologische Eckpunkte, die bei der Kultivierung auftreten können. Als in den 70er Jahren der Mohnanbau in Lateinamerika populär wurde, sind Mohnpflanzungen ebenfalls von Sprühaktionen entsprechend der Operation „Condor“ betroffen gewesen. Gerade in Südamerika sind die ökologischen Folgen durch die Etablierung von Mohnkulturen besonders gravierend. “Auch im Hochland Kolumbiens verschärft sich die Situation. Sorgte die Herstellung von Kokain schon für große ökologischen Probleme, so haben diese sich seit der Einführung des Mohnanbaus in den 90’er Jahren vervielfacht. Coca wächst am besten unter 700m, Opium-Poppies jedoch über 2000m Höhe. Durch die für den Drogenanbau nötige Waldrodung entstehen irreversible ökologische Schäden. Seit zwei Jahrzehnten nimmt der Drogenanbau in Kolumbien um durchschnittlich 20% pro Jahr zu. Die Menge der von den USA versprühten Pflanzengifte wie Tebuthiuron aka „Spike 20P“ gegen das anfallende „Unkraut“ bzw. als Hilfe bei der Entwaldung neuer Anbauflächen um 80%.“
Um aus dem Rohstoff Opium Heroin zu gewinnen sind chemische Prozesse und eine Laborausstattung erforderlich. Es ist relativ einfach, Heroin herzustellen. Rohmorphium oder auch Opium wird erschöpfend acetyliert. Dafür kann Essigsäureanhydrid verwendet werden. Pro Kilogramm Rohmorphium werden dafür 400-500 ml Essigsäureanhydrit verwendet. Im Wasser zersetzt sich Essigsäuranhydrit zu Essigsäure, welche schwach wassergefährdend ist und giftig. Es gibt ebenfalls die Möglichkeit, mit Acetylchlorid zu arbeiten. Diese Methode ist teurer und es entstehen Nebenprodukte wie Salzsäuregase (Chlorwasserstoff). Auf den ersten Blick scheinen die Abfallprodukte weniger problematisch, es kommt jedoch auf die Quantität an. Laut UN Schätzungen gibt es Weltweit 9,16 Millionen Heroinkonsumenten. Ein Abhängiger Heroinkonsument verbraucht im Schnitt 1-1,5 Gramm Heroin pro Tag. Das ergibt einen weltweiten Heroinbedarf von 4.380 Tonnen im Jahr. Die Produktion dürfte jedoch weit höher sein, da mit 5-10% Beschlagnahmungen zu rechnen ist und auch Lagerbestände gefüllt werden. Es fallen demnach Tausende Tonnen Restchemikalien an, die wahrscheinlich nur in den wenigsten Fällen umweltgerecht entsorgt werden.

5.3. Kokain

Von der Kokainproduktion ist ausschließlich Lateinamerika betroffen und beliefert den gesamten Weltmarkt. Die beschriebenen Probleme beim Anbau von Mohn können auch auf die Kokapflanze übertragen werden. Großflächige Sprühaktionen und Waldrodungen bilden das Hauptrisiko beim Anbau. „Wenn die illegalen Plantagen nicht allemal nach wenigen Jahren ausgelaugte Erde zurücklassen, die einen Hang zur Erosion zeigen, so sind es heute auch die Pflanzenschutzmittel wie Tebuthiuron, die von Flugzeugen aus flächendeckend über verdächtige Plantagen versprüht werden.“ Von der Operation „Condor“ über „Blast furnance“ oder „Operation Snowcap“, seit den 70ern gibt es regelmäßig neue Namen für die gängige Art der Umweltzerstörung durch die US-Regierung. Der Kokaanbau ist schon viele Jahrtausende alt und hat im Gegensatz zu Mohn einen kulturhistorischen Hintergrund für die Einwohner Lateinamerikas, speziell die der Andenregion. In Peru ist zum Beispiel der traditionelle Kokaanbau für den Eigenbedarf legal. Laut UN Daten ist die Anbaufläche von Koka in den drei Hauptanbaustaaten Peru, Kolumbien und Bolivien leicht rückläufig und wird 2003 auf eine Gesamtfläche von 153800 ha geschätzt . Wobei anzunehmen ist, dass eine hohe Fluktuation besteht. Parzellen werden nur wenige Jahre betrieben bevor sie entdeckt werden oder die Böden ausgelaugt sind.
Aus diesen 153800 ha werden Schätzungsweise 235390 Tonnen Kokablätter geerntet, welche dann zum Teil zu 655 Tonnen reinem Kokain weiterverarbeitet werden. Ein Teil der Kokaernte wird vor Ort gekaut, exportiert wird fast ausschließlich das raffinierte Produkt Kokain. Hier liegt ein weiteres gravierendes ökologisches Risiko vor. Die Herstellung von Kokain aus Kokablättern erfordert einen weitaus höheren chemisch-technischen Prozess, bei dem weitaus gefährlichere Abfallprodukte als bei der Produktion von Heroin entstehen. Bei der Erzeugung von einem Kilogramm Kokain-Hydrochlorid (Kokain) entstehen folgende Entsorgungspflichtige Substanzen: drei Liter konzentrierte Schwefelsäure, 10 kg Kalk, 60-80 Liter Petroleum, 200 g Kaliumpermanganat und ein Liter konzentriertes Ammoniak. Bei einer Jahresproduktion von durchschnittlich 800 Tonnen fallen erhebliche Mengen chemischer Abfälle an. Sie werden fast ausschließlich illegal entsorgt um Kosten und Aufmerksamkeit zu vermeiden. Grundwasser, Flüsse und Seen werden stark belastet. In den Hauptverarbeitungszentren und deren Umgebung ist der Schaden bereits messbar. Menschen, die in den chemischen Produktionsprozess mit einbezogen sind leiden aufgrund mangelnden Arbeitsschutzes nicht selten unter gesundheitlichen Problemen. Die ökologische Katastrophe in den Andengebieten wird nicht enden, sofern der Krieg gegen Drogen nicht von den USA beendet wird. Solange wird es Sprühaktionen gegen vermeintliche Drogenplantagen geben, werden Regenwaldregionen mit chemischen Abfällen belastet, gibt es militärische Interventionen, wird die Souveränität von Staaten eingeschränkt.

5.4. Synthetische Drogen

Hierzu zählt man in erster Linie den ATS-Typ wozu Exstasy ebenso gehört wie Amphetamin und Methamphetaminderivate. Der UN zufolge konsumieren knapp 30 Millionen Menschen weltweit diesen Typ. Es wird von einer Jahresproduktion zwischen 390 und 641 Tonnen ausgegangen. Gemeinsamkeiten aller Typen sind die Herstellung in Laboratorien. Es sind für die Produktion von MDMA (Ecstasy Grundstoff) sehr komplizierte chemische Prozesse zu beherrschen und die eingesetzten Chemikalien sind zum Teil sehr giftig, kanzerogen und mutagen. Bei der Produktion von einem Kilogramm Ecstasy entstehen je nach Syntheseart mehrere Liter stark ätzende Säuren und Laugen, einige Gramm Quecksilberchlorid oder mindestens 300 Gramm Natriumcyanoborhydrid . Es ist wiederum durch die gegebenen Umstände anzunehmen, dass nur ein Bruchteil der Hersteller die Chemikalien umweltgerecht entsorgen. Dies ist besonders katastrophal, denn die Produktionsstätten befinden sich meist in dicht besiedeltem Gebiet. Der europäische Ecstasymarkt wird vornehmlich aus den Niederlanden bedient, wie weiter oben aber schon erwähnt sind nahezu alle Industrienationen und Schwellenländer hypothetisch von der Produktion von chemischen Drogen betroffen.

Auch die Amphetamin- und Methamphetaminproduktion befindet sich im ständigen Wachstum, laut UN konsumieren mehr als 0,5 % der Weltbevölkerung regelmäßig Amphetaminderivate. Die Herstellung von diesen Substanzen erfordert wiederum ein vielfaches an umweltgefährdenden Grundsubstanzen wie beispielsweise FCKW,
Iodwasserstoffsäure, Ätznatron oder Diethylether. Bei den chemischen Arbeitsschritten ist es bei unsachgemäßer Arbeit jederzeit möglich, dass starke Kontaminierungen oder explosive Gase entstehen. Oft sind ehemalige Labore und deren Umgebung so verseucht, dass sie speziell entsorgt werden müssen. Gesundheitliche Schäden der „Laborarbeiter“ sind mit inbegriffen.
In geeigneten Laboren und mit professionellen Mitarbeitern, die sich an die Umweltstandards der gängigen chemischen Industrie halten, wäre die umweltgerechte Produktion von ATS- Substanzen möglich, Abfallprodukte würden recycelt oder umweltgerecht entsorgt, die Pharmaindustrie macht es vor.
Ein weiterer erwähnenswerter Punkt ist, dass die Ausscheidungen von Konsumenten des ATS-Typs bis zu 40% der eingenommenen Substanzen enthalten. Dies gilt übrigens auch für viele Medikamente. So ist es in England bereits gelungen das Medikament Prozac im Trinkwasser nachzuweisen.
Zu den synthetischen Drogen gehören eine ganze Reihe weiterer Drogen wie LSD, GHB(Gammahydroxilbuttersäure), PCP (Angels Dust), Ketamin, etc.
Die Reihe könnte noch weiter fortgesetzt werden, die Popularität und damit die Verbreitung und Produktion nimmt nach unten ab.
Die Produktion von gefälschten Medikamenten wird in der Regel weniger dem Feld um den „war on drugs“ zugerechnet, sollte aber wegen der enormen Verbreitung und des großen Ausmaßes erwähnt werden. „Beispiel Indien: Hier ist laut Auskunft der Indischen Ärztekammer jede fünfte verkaufte Pille eine Raubpressung, in manchen Landesteilen gar 40%“ Die Weltgesundheitsbehörde schätzt, dass 7% der weltweit verschriebenen Medikamente Fälschungen sind. Hier besteht noch ein großer Forschungsbedarf. Es ist anzunehmen, dass viele dieser gefälschten Medikamente nicht unter ökologischen Gesichtspunkten hergestellt werden, reinste Profitinteressen würden dem gegenüberstehen. Nur ein geringer Teil der gefälschten Medikamente enthält den ursprünglichen Wirkstoff.


1 Antwort auf „5. Umweltrisiken bei der Herstellung von Drogen“


  1. 1 Amphetamine herstellen | Mohamedlovers Pingback am 24. Oktober 2011 um 21:22 Uhr
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