Das Menschenbild und der Naturzustand in der Staatstheorie des Thomas Hobbes

Das Menschenbild und der Naturzustand in der Staatstheorie des Thomas Hobbes

Inhaltsverzeichnis
Seiten

1. Einleitung 3

2. Das Menschenbild des Thomas Hobbes 4
2.1. Das Menschenbild im Leviathan 4
2.2. Ein kleiner Exkurs zum historisch-,
biographischen Hintergrund 6

3. Der Naturzustand 9
3.1. Naturrecht und Naturgesetz 10

4. Der Staat 11
4.1. Staatsbildung 12
4.2. Widerstandsrecht im Hobbes’schen Staat 12

5. Hobbes im Spiegel der Zeit 13
5.1. Von den Anfängen der Menschen 13
5.2. Zeichen der Zivilisation 14
5.3. Auf dem Weg zum Frieden 15

6. Zusammenfassung 17

7. Literaturverzeichnis 19

1. Einleitung

Diese Hausarbeit trägt den Titel “ Das Menschenbild und der Naturzustand in der Staat-stheorie des Thomas Hobbes“. Thomas Hobbes Theorie ist von der strikten Anwendung seiner resolutiv – kompositiven Methode, bei der es darum geht streng mathematisch – logisch Sachverhalte voneinander abzuleiten, um dann ganz naturwissenschaftlich-mathematisch durch Operationen aus verschiedenen kleinen Komponenten auf einen größeren, komplexeren Zusammenhang zu schließen, geprägt. Hobbes geht wie bei einem mathematischen Beweis vor, dabei sind die Grundansätze das Wichtigste, ohne sie ist eine logische Weiterführung bis zur Vollendung des Beweises nicht möglich. Nun kann man durchaus behaupten, dass das Menschenbild bei der Hobbes’schen Theorie solch ein fundamentaler Grundansatz ist. Selbst der Naturzustand in der Theorie des Thomas Hobbes ist schon einen Schritt weiter und baut auf das Menschenbild auf. Trotzdem kann man sagen, dass diese beiden Elemente, der Natur-zustand und das Menschenbild die Grundpfeiler der Hobbes’schen Theorie sind. Deshalb ist es meiner Meinung nach auch von besonderer Bedeutung sich mit diesen Themen auseinander zusetzen. Nur mit Hilfe dieser Grundbestandteile ist ein Verständnis der Theorie des Thomas Hobbes möglich.
Eine Zentrale Frage soll dabei sein, wie und warum kommt Hobbes zu diesen Schlüssen. Da-bei wird es unerlässlich sein, zum einen den historischen Kontext zu betrachten in dem Hob-bes gelebt hat und zum anderen aber auch die lebensbiographischen Wendepunkte des Tho-mas Hobbes etwas genauer zu betrachten.
Ferner geht es mir auch darum, zu zeigen, in wie weit seine Annahmen, insbesondere bezüg-lich des Naturzustands und des Menschenbilds, auf unsere heutige Gesellschaft an¬wendbar ist. Es schweben hierzulande Wörter wie „Raubtierkapitalismus“, „Konkurrenzge¬sellschaft“ und “ Präventivkriege“ durch den Äther. Kann man den über 350 Jahre alten Hobbes zur Er-klärung heutiger Phänomene heranziehen?
Um dies zu beantworten ist es erst einmal nötig die Hobbes’sche Theorie darzulegen und zu zeigen inwiefern gewisse Lebensumstände oder auch zeitgeschichtliche Ereignisse Einfluss auf die Werke des Thomas Hobbes hatten.
Der erste Teil dieser Arbeit wird sich mit dem Menschenbild des Thomas Hobbes befassen und es wird versucht, eine Antwort auf die Frage zu finden, weshalb Hobbes den Menschen als Wolf sieht und nicht als fleißige Biene wie etwa bei Aristoteles. Der Blick auf die Histo¬rie soll dabei immer offen gehalten werden. Die logische Weiterführung dieser Betrachtung führt uns dann weiter zum Naturzustand. Wie beschreibt er ihn, was bedeutet er, welche Wege führen heraus? Wie entsteht nach Hobbes der Staat? Am Ende soll versucht werden mit Hilfe der Hobbes’schen Theorie aktuelle Phänomene unserer Neuzeit zu betrachten, vor allem die Aussage, dass Staaten sich untereinander im Naturzustand befänden lohnt zur genaueren Be-trachtung.
Zum größten Teil werde ich mich dabei auf das Hauptwerk Thomas Hobbes, den Leviathan stützen. Seine Werke haben meist die gleichen oder ähnliche Kerngedanken und besonders die Grundelemente Naturzustand und Menschenbild treten in fast unveränderter Form immer wieder auf. Deshalb reicht es meiner Meinung nach im Rahmen dieser Arbeit aus, sich auf dieses Werk zu konzentrieren.

2 .Das Menschenbild des Thomas Hobbes

Ein Misanthrop sei Thomas Hobbes werfen ihm Kritiker entgegen, einfach nur Realist sei er, meinen die ihm Wohlgesonnen, Fakt ist: der Spruch „Homo homini lupus“ – der Wolf ist des Menschen Wolf, stammt aus seiner Feder. Ob er nun ein Menschenhasser war, vermag ich nicht zu sagen, aber auf alle Fälle bestimmt dieses Menschenbild maßgeblich seine Theorie.
Sicherlich ist sein Menschenbild durch den damaligen historischen Kontext geprägt worden und natürlich auch durch seine Lebensbiographie.
Aber nehmen wir uns erst einmal das Menschenbild genauer unter unsere Betrachtungen, bevor wir uns dann die biographischen Hintergründe ansehen.

2.1. Das Menschenbild im Leviathan

Der Leviathan kann hier stellvertretend wie oben schon erwähnt für Hobbes Werke stehen.
Der erste Teil seines, man kann es durchaus so nennen, Hauptwerkes beschäftigt Hobbes sich ausschließlich mit dem Menschen. Der Teil trägt ebendiese Überschrift: Vom Menschen.
Dabei handeln die ersten 9 Kapitel von der naturalistischen Konzeption des Menschen. Die Kapitel haben Namen wie “ Von der Empfindung, Von der Einbildung, Von der Sprache “ oder auch solch interessante wie “ Von den inneren Anfängen der willentlichen Bewegungen, die man gewöhnlich Leidenschaften nennt, und den Ausdrücken, womit sie bezeichnet wer-den“. Erst im Kapitel zehn bezieht Hobbes systematisch zwischenmenschliche Beziehun¬gen mit ein.
Wie sieht es aber nun aus, dies Menschenbild, welches von den Hobbes Gegner so scharf kri-tisiert wird, andere aber für durchaus realistisch halten?
Stellen wir uns vor, ein Menschenkind erblickt das Licht der Welt, es wird frei geboren, jeder Mensch wird frei geboren, alle wachsen sie mehr oder weniger gleich auf. Betrachten wir uns die erste These von der Gleichheit der Menschen. Hierzu schreibt Hobbes
im Leviathan, Kap 13 „Die Natur hat die Menschen hinsichtlich ihrer körperlichen und geistigen Fähigkeiten so gleich geschaffen, dass trotz der Tatsache, dass bisweilen der eine einen offensichtlich stärkeren Körper oder gewandteren Geist als der andere besitzt, der Unterschied zwischen den Menschen alles in allem doch nicht so beträchtlich ist, als dass der eine auf Grund dessen einen Vorteil beanspruchen könnte, den ein anderer nicht ebenso gut für sich verlangen dürfte. Denn was die Körperstärke betrifft, so ist der Schwächste stark genug, den Stärksten zu töten – entweder durch Hinterlist oder durch ein Bündnis mit anderen … Und was die geistige Fähigkeit betrifft, so finde ich, dass die Gleichheit unter den Menschen noch größer ist als bei der Körperstärke…“ Es ist schon interessant mit welchen Beispielen Hobbes seine Gleichheitstheorie untermauert – „..so ist der Schwächste Stark genug, den Stärksten zu töten..“ er nimmt das Grausamste, was sich Menschen gegenseitig antun können und belegt damit seine Theorie, als sei es das natür¬lichste der Welt, sich gegenseitig umzubringen. Obwohl die damaligen Verhältnisse, in denen Hobbes lebte solch eine Vermutung durchaus zulassen, aber dies nur am Rande.
Ein wesentliches Merkmal des Menschenbildes ist die Gleichheit. Wir Menschen sind nach Hobbes also alle relativ gleich, körperlich sowie geistig. Wobei die geistige Fähigkeit des Menschen bei Hobbes durch Konditionierung ausbaufähig ist, “ Denn Klugheit ist nur Erfah¬rung, die alle Menschen, die sich gleich lang mit den gleichen Dingen beschäftigen, glei¬chermaßen erwerben.“(Leviathan, Kap 13) Diese Vorstellung beruht schon fast auf einem mechanischen Bild vom Menschen und ist so wohl nicht haltbar, aber Hobbes sah es so und dies sollte auch der Gegenstand bleiben. Es ist leicht 350, Jahre später Kritik auszuüben denn man hat ja das Wissen von heute. Auf jeden Fall folgt aus dieser Gleichheit auch das gleiche Streben nach elementaren Bedürfnissen, gleiche Vorstellungen, Wünsche, Hoffnungen, gleiche Triebe und vor allem gleiche Chancen, sein Ziel zu erreichen. Vor allem die Triebe, so Hobbes, bestimmen das menschliche Verhalten. „Was auch immer seine Vernunft ersinnt wird hinfällig, sobald sich seine Triebe dagegen stemmen.“(Leviathan, Kap 14). Der Mensch ein triebgesteuertes Wesen. Und genau zwei Triebe, die stärksten, kristallisieren sich nach Hobbes heraus, der stärkste und wichtigste, der Trieb nach Selbsterhaltung und der Trieb nach einem angenehmen Leben. Ein angenehmes Leben erzielt man in erster Linie durch Machtakkumulation. Macht bedeutet die Gewalt über andere zu haben. Macht bedeutet gleichzeitig mehr Sicherheit für Leib und Wohl. Eine Kette weiterer Triebe und Wesenszüge des Menschen folgt daraus. Durch das Machtstreben wird der Mensch habgierig, egoistisch. Ständig strebt er nach Anerkennung, Ehre und Ruhm, schätzt ihn jemand weniger als er sich selbst, so ist derjenige bestrebt durch Exempel sich in das recht Licht zu rücken, sei es auf Kosten anderer. Diese Triebe veranlassen den Menschen nach allem und nach immer mehr zu streben, denn alles kann früher oder später dazu beitragen das eigene Leben zu erhalten, sei es Nahrung, Kleidung, Wertgegenstände, Waffen und dergleichen. Je mehr man besitzt und Macht hat, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit bei einem Angriff zu überleben.
Jetzt kann man sich mit gutem Grund fragen weshalb die Menschen sich so feindselig ver-halten, in ständiger Angst leben müssen angegriffen zu werden. Der Mensch ist des Menschen Wolf, ein Raubtier voller Bosheit, nicht zum Zusammenleben geeignet, Chaos, Anarchie und Furcht bestimmt ihn.
Das wirft natürlich die Frage auf, weshalb Hobbes dieses Menschenbild hat und nicht ein an-deres, warum sieht er den Menschen so schlecht? Da ist es unerlässlich einen Blick auf die Historie die Hobbes umgibt, zu werfen.

2.2. Ein kleiner Exkurs zum historisch-, biografischen Hintergrund

Hobbes kam am 5.4.1588 in Westport bei Malmesbury, England ein wenig zu früh auf die Welt. Die Mutter hat ihn vor Schreck geboren, es ging die Botschaft um, die spanische Ar-mada sei in englische Gewässer eingedrungen. Vielleicht war dies das Schlüsselereignis im jungen Leben des Thomas Hobbes, mit der Furcht vor dem gewaltsamen Tod geboren zu sein. Dieser Lebensweg setzt sich fort, er erlebt im Laufe seines Lebens viele Wirren, sei es der grausame Kampf um die Krone im eigenen Land, der schreckliche Bürgerkrieg, sei es die Immigration nach Frankreich oder der Hass der Intellektuellen. Mit hoher Wahrscheinlichkeit hatte er wohl allen Grund den Menschen so zu beschreiben, wie er es im Leviathan tat.
Schauen wir uns einmal etwas genauer seine Biographie an. Die Eltern waren nicht wohlha-bend, eher ärmlich, der Vater ein wahrscheinlich ungebildeter und trunkener Laienprediger, der die Familie auch noch früh verließ. Dennoch genoss der junge Hobbes eine gute Ausbil-dung, da er nachdem ihn der Vater verlassen hatte, in die Obhut seines wohlhabenden Onkels kam. Schon frühzeitig konnte man eine besondere Begabung bei ihm entdecken. Er war ein Sprachtalent, latein, französisch, griechisch, italienisch und natürlich seine Muttersprache sprach er fließend. Er studierte dann im zarten Alter von 14 Jahren in Magdan Hall, ein heute nicht mehr existenter Arm Oxfords. Es war ein breit gefächertes Studium das alle Wissen-schaften umfasste. So richtig wohl fühlte er sich in dieser Zeit nicht. Es herrschten alte und überkommene Ansichten, die immer noch betriebene Scholastik und das aristotelische Welt-bild-, welches vornehmlich gelehrt wurde, dies stieß Hobbes ab. Trotz Unbehagen in Oxfords Magdan Hall schloss er sein Studium mit Bravour als B.A. ab. Hobbes war wie schon er-wähnt ein Sprachtalent und es bereitete ihm Freude Übersetzungsarbeit zu leisten. Unter an-derem übersetzte er auch Werke von Thukydides, welche sicherlich einen Einfuß auf sein Menschenbild gehabt haben.
Nach dem Studium stellte er sich in den Dienst einer adligen Familie, den Cavendishs. Es war durchaus üblich, dass sich Gelehrte in den Dienst von Adligen zu stellen, viele heut bekannten Größen dieser Zeit verdienten so ihren Lebensunterhalt. Hobbes hatte viele Aufgaben, von der

Erziehung oder besser Unterrichtung des Nachwuchs, Berater des Earls, Finanzbevollmäch-tigter, Übersetzer und Korrespondent und so weiter. Diese Familie wird ihn fast sein ganzes Leben beschäftigen. Als Tutor des Nachwuchses war es ihm möglich, mehrere sogenannte „Grand tours“ mitzumachen. Dabei handelt es sich um eine meist mehrjährige Erlebnis- und Bildungsreise quer durch Europa. Hier hatte Hobbes die Möglichkeit, mit wichtigen Denkern seiner Zeit in Kontakt zu kommen wie kein anderer. Er traf sich mit so bedeutenden Men-schen wie Galilei, Mersenne oder auch Descartes. Aber so schillernd das Leben so eines Be-diensteten einer adligen Familie auch sein kann, so hat es ebenso viele Schattenseiten. Hobbes musste das Ledigendasein fristen, wie so viele seiner Berufsgenossen an adligen Höfen, an Heirat war nicht zu denken. Es ist erstaunlich, in Hobbes Lebensbiographie tritt nie ein weib-liches Geschöpf in Erscheinung, ein weiteres Indiz für seine Verbitterung? Zum Anderen war es eine Vollzeit-Beschäftigung, für Privatsphäre war wenig Raum. Zudem hatte Hobbes den Rang eines Untergebenen, so eine Art Verhältnis zwischen Diener und Herr, auch wenn unter vier Augen zum Beispiel in einem philosophischen Gespräch diese Schranken weitesgehend fielen. Dennoch glaube ich, dass dies bei Hobbes auch immer einen fahlen Bei¬geschmack hatte, denn so richtig frei war er nicht auch wenn er viele Freiheiten besaß.
Um noch einmal auf einige wichtige Punkte zu kommen, Hobbes lebte zu Zeiten des engli-schen Bürgerkriegs. Der große Kampf um die Krone zwischen Royalisten und republikani-schen Kräften. Nachdem nach etlichen politischen Querelen König Karl I. nach ganzen 11 Jahren im November 1640 das sogenannte „lange Parlament“ einberief, war es eigentlich schon viel zu spät, um eine Eskalation zu vermeiden. Hierauf wurde der erste Minister des Königs, der Earl of Strafford durch den „Act of Attainder“ seines Amtes enthoben. Wenig später erfolgte seine Hinrichtung.
Dies war fatal für die Cavendishs, Hobbes Arbeitgeber, denn der Earl of Strafford war ein guter Freund und Gönner der Familie. Nach der Entlassung des ersten Ministers hatten die Cavendishs sogar kurzzeitig überlegt, Hobbes als Kandidaten für das Unterhaus zu nominie-ren, war aber dennoch gespalten, ob der jähe Sturz des Freundes nicht selbst die Familie mit in den Abgrund zieht.
Hobbes gab im Zuge dieser Wirren ein Papier heraus, das Freunde und Verbündete als so eine Art Leitfaden in der politischen Diskussion dienen sollte, den „Elements of Law“
Doch als der Earl of Strafford Anfang 1641 hingerichtet wurde, saß Hobbes bereits auf dem Kontinent im sicheren Pariser Exil. Hier tritt erstmals wieder eine relativ unabhängige Phase in Hobbes Leben ein, was ihm wohl mehr Nach- als Vorteile gebracht hat. Ohne die Caven-dishs war er relativ mittellos und war auf Nebenverdienste angewiesen. Er nahm dann eine Stelle als Mathematiklehrer an und unterrichtete den Prince of Wales, dem zukünftigen
König Englands Karl II., der angeblich über Hobbes gesagt haben soll“…er sei der seltsamste Mensch dem er je begegnet sei..“(Richard Tuck, Hobbes, S.47)
Ein weiterer schwerwigender Wendepunkt in Hobbes doch recht langem Leben, hätte auch ein Endpunkt sein können. Denn im Jahre 1647, in dem er übrigens auch durch sei¬nen im holländischen Elzevier Verlag erschienen Titel „Elemanta Philosophica De Cive“ Berühmtheit erlangte, kam eine grausame Krankheit über ihn herein von der er sich nie mehr vollständig erholen sollte. Selbst die Sterbesakramente wurden ihm schon gereicht. Nur allzu erstaunlich ist es, dass er bereits 1650 wieder anfing zu arbeiten, nämlich an seinem Haupt¬werk, dem Leviathan. Der sich immer noch im Pariser Exil befindende hat durch eine für die damalige Zeit unglaubliche Leistung vollbracht, denn für den Druck war eine Londoner Dru¬ckerei verantwortlich. So wurden dann Teilstücke des Manuskripts nach London geschickt und von dort aus die Korrekturbögen wieder zurück nach Paris. Erstaunlich, dass es trotz aller Wirren funktioniert hat. Wie schon erwähnt, litt Hobbes an einer Krankheit die der parkinson¬schen Krankheit ähnelt, diese beeinträchtigte ihn stark, so dass er nicht mehr in der Lage war eigenständig zu arbeiten, er war auf die Dienste eines Sekretärs angewiesen.
Nachdem sich die blutigen Schlachten im englischen Bürgerkrieg gelegt haben und es wieder
einigermaßen sicher war, kehrte Hobbes aus seinem Pariser Exil zurück in die Heimat, zurück zu den Cavendishs, deren Familie Hobbes schon seit drei Generationen dient.
Bis zu seinem Tode im Jahre 1679 begleitet er diese Familie und stirbt auf deren Anwesen am 4.12. in Hardwick Hall.
Hobbes hatte es geschafft, schon zu Lebzeiten ein gewisses Maß an Berühmtheit zu erlangen. Besonders nach dem Erscheinen seines Hauptwerkes, dem ‚Leviathan‘ brach ein Sturm von Entrüstung über Hobbes hinein. Es gab so gut wie keine Partei die nicht heftigste Kritik an Hobbes übte. Ob Royals oder Parlamentarier- keiner konnte sich so recht mit der Hob-bes’schen Theorie anfreunden. Wie auch? Werden sie ja gerade als Bestien dargestellt, die Königlichen verlieren ihren gottgegebenen Status, sollen sich durch das Volk legitimieren lassen, die Parlamentarier wiederum sahen im ‚Leviathan‘ eine Verherrlichung des Absolutis-mus und der königlichen Allmacht. Aber trotz seiner Schriften und den daraus folgenden An-feindungen lebte er vorwiegend im Frieden, nur einmal musste er fliehen, kam jedoch bald zurück und erreichte für seine Zeit ein biblisches Alter von 91 Jahren.
Vielleicht hilft dieser kurze Exkurs ein wenig, Hobbes zu verstehen, weshalb er lieber einen starken König als ein Parlament sieht, weshalb die Menschen Wölfe sind und so fort. Es ist manchmal schwer nach 350 Jahren die gedanklichen Schritte nachzuvollziehen die in Thomas Hobbes vorgegangen sind, denn Gedanken sind immer auch Produkte der Umwelt und da er Chaos und Anarchie mit eigenen Augen sah, floss dies alles in sein Menschenbild und seiner Theorie ein.

3. Der Naturzustand

Um den Naturzustand bei Thomas Hobbes zu verstehen ist es wichtig vom Menschenbild auszugehen. Man kann sich das ganze modellhaft vorstellen:
Ein begrenztes Areal, begrenzte Ressourcen, zwei Menschen, beide frei geboren, dies sind die Grundvoraussetzungen. Beide sind, wie wir ja bereits wissen, im Prinzip gleich, zumindest wenn der eine schläft kann der andere ihn töten. Nun wandeln diese Personen herum, irgend-wann werden sie aufeinander stoßen und jeweils Anspruch auf ein begehrtes Gut stellen, jeder hat ein Recht darauf, jeder ist frei geboren, durch das Gleichheitsprinzip malt sich auch jeder die gleichen Chancen aus, jeder hat ein Recht auf alles. Es gibt keinen Staat, keine staatliche Gewalt die irgendetwas regeln könnte. Diese beiden wollen beide von ihrem Recht Gebrauch machen aber nur einer kann den Gegenstand besitzen. Was entsteht ist Streit der letztendlich unweigerlich in Krieg und Hass umschlägt. Nun wandeln aber nicht nur eine Hand voll Indi-viduen durch die Umwelt, nein es sind Tausende, Millionen. Alle haben das Recht auf alles, sind mehr oder weniger triebgesteuert. Der stärkste Trieb ist der Trieb nach Selbsterhaltung und da alles früher oder später einmal nützlich sein kann, um sein Leben zu erhalten, sei es Nahrung, Kleidung oder Waffen, Häuser, Land, einfach alles, jeder beansprucht sein Recht auf alles, es kommt unweigerlich zum „Bellum omnium in omnes“ der Krieg aller gegen aller. Es ist ein schrecklicher Zustand, den Hobbes beschreibt:“ In einer solchen Lage ist für Fleiß kein Raum, da man sich seiner Früchte nicht sicher sein kann; und folglich gibt es keinen Ackerbau, keine Schiffahrt, keine Waren, die auf dem Seeweg eingeführt werden können, keine bequemen Gebäude, keine Geräte, um Dinge, deren Fortbewegung viel Kraft erfordert, hin- und herzubewegen, keine Kenntnis von der Erdoberfläche, keine Zeitrech¬nung, keine Künste, keine Literatur, keine gesellschaftlichen Beziehungen, und es herrscht, was das Schlimmste von allem ist, beständige Furcht und Gefahr eines gewalt¬samen Todes – das menschliche Leben ist einsam, armselig, ekelhaft, tierisch und kurz.“( Leviathan, Kap 13)

Die Triebe bestimmen das menschliche Dasein, der Trieb nach Selbsterhaltung und der nach einem angenehmen Leben. Um ein angenehmes Leben zu führen, ist Macht nötig, Unterge-bene die Befehlen gehorchen, je mehr Macht desto besser. Ein Macht-Wettlauf beginnt, den keiner gewinnen kann, kaum wird ein Gegner ausgeschaltet, muss befürchtet werden selbst aus dem Weg geräumt zu werden. Man kann das Machtstreben auch als eine Art Trieb anse-hen. Und durch dieses Machtstreben entsteht solch ein armseliger Naturzustand, ein Leben voller Furcht, Gewalt und Elend. Das Recht eines jeden auf alles mutiert so zum Recht auf nichts.
Interessant ist auch die Aussage Hobbes, dass sich die Staaten untereinander ebenfalls im Na-turzustand befinden und auch immer befinden werden, später wird dieser Punkt noch aus-führlicher betrachtet.
Aber der Mensch ist wie wir wissen nicht nur Triebgesteuert, nein, in einem lichten Moment erhellt der Verstand die trüben Triebe. Allein aus der Vernunft entspringen Wege, aus dem Naturzustand auszubrechen.
Hobbes unterscheidet in seinen Ausführungen zwischen Naturrecht und Naturgesetz.

3.1. Naturrecht und Naturgesetz

Das Naturrecht und die Naturgesetze bilden zwei weitere wesentliche Bestandteile in der Hobbeschen Theorie, hierbei zieht er eine scharfe Trennlinie zwischen Naturrecht und Natur-gesetz. Nach Hobbes kann zwischen Recht und Gesetz unterschieden werden. Das Recht be-deutet nach Hobbes die Freiheit etwas zu tun oder zu lassen wobei das Gesetz eine Ver-pflichtung darstellt.
Die wechselseitige Übertragung von Rechten werden durch Verträge geregelt.
Das Naturrecht herrscht im Naturzustand, es ist die Freiheit eines jeden zu tun was er für rich-tig hält, mit den oben erwähnten Konsequenzen. Die Naturgesetze hingegen entspringen aus der Vernunft. Das wichtigste von ihnen ist solch ein Gesetz: suche Frieden sobald Hoff¬nung darauf besteht oder auch Kants kategorischen Imperativ: Handle nur nach der Maxime, so dass dein Handeln als gemeingültiges Gesetz erhoben werden könnte oder mit anderen Wor-ten: Was du nicht willst das man dir tue, das tu auch keinem andern an.
Im 14 Kapitel des Leviathan heißt es „Jedermann soll freiwillig, wenn andere ebenfalls dazu bereit sind, auf sein Recht auf alles verzichten, soweit er dies um des Friedens und der Selbstverteidigung willen für notwendig hält, und er soll sich mit soviel Freiheit ge¬genüber anderen zufrieden geben, wie er anderen gegen sich selbst einräumen würde.“
Es folgen noch etliche weitere Naturgesetze, wobei das wichtigste die Beendigung des Natur-zustandes ist.
Nun ist es schön, etliche Naturgesetze zu diktieren, die allein der Vernunft entspringen, was nützt es wenn niemand danach handelt? “ Was immer seine Vernunft ersinnt, wird hinfällig, sobald sich seine Triebe dagegen stemmen“(Leviathan, Kap 14)
Mit diesem Ausspruch macht Hobbes seine eigene Theorie von den Naturgesetzen so gut wie nichtig. Zumindest sind sie im Naturzustand nicht existent. Die Naturgesetze sollen vielmehr eine Anleitung zum richtigen Handeln sein, Vorraussetzung hierfür ist allerdings die Existenz eines Staates und dieser Staat sollte die Gesetzgebung an den Gesetzen der Vernunft ausrich-ten, den Naturgesetzen.
Aber wie kann aus diesem chaotischen Naturzustand ein funktionierender Staat mit mündigen Bürgern entstehen?

4. Der Staat

Führen wir uns noch einmal die Natur des Menschen vor Augen. Die zwei stärksten Triebe sind die nach Selbsterhaltung, also auch die Angst vor einem gewaltsamen Tod und als Zwei-tes das Streben nach einem angenehmen Leben. Da ein angenehmes Leben im Naturzu¬stand nur schlecht möglich ist, wie wir aus dem oberen Zitat auch entnehmen können. Zugleich herrscht auch eine ständige Furcht vor dem gewaltsamen Tod, keine Macht die den Menschen schützen kann. Wie gesagt das menschliche Dasein ist laut Hobbes in solch einem Zustand. kurz, einsam, voller Furcht und ekelhaft. Daraus ergibt sich der Wunsch nach einem Wechsel, nach einer starken Macht, die das Leben schützen kann, nach einem souveränen Staat.

4.1. Staatsbildung

Die Theorie über die Staatsbildung ist bei Hobbes zu seiner Zeit etwas revolutionäres. Nicht durch Gott wird der Staat und die Staatsgewalt begründet, nein, sondern die Bürger selbst begründen den Staat durch einen Staatsvertrag. Wie kann man sich so etwas vorstellen?
Wir haben den Naturzustand, eine gewisse Anzahl von Individuen, ein begrenztes Territo¬rium. Die Menschen sind an dem Punkt angelangt, dass sie sich nichts seligeres wünschen als einen Staat der sie schützt und in dem sie ein angenehmes Leben führen können. Dazu schlie¬ßen sie einen Vertrag untereinander nach dem Motto: ich verzichte auf mein Recht auf alles, wenn du ebenfalls auf dein Recht auf alles verzichtest. Ist dieser Schritt getan wird ein weite¬rer Vertrag, diesmal ein einseitiger mit einer Person oder einer Gruppe von Personen ge¬schlossen mit dem Wortlaut: ich verzichte auf mein Recht auf alles, wenn du mich beschützt und mir den Rahmen eines angenehmen Lebens gibst. Der Souverän hingegen hat kein Recht abgegeben er hat das Recht alles zu tun, was dem Staat von Nutzen sein kann, zum Beispiel auch eine Sondersteuer für eine nahende Bedrohung zu erheben, mit diesem Beispiel spielt Hobbes wohl auf den Konflikt vor dem englischen Bürgerkrieg an, als der König Englands Karl I. eine Sondersteuer für den Ausbau der Flotte wegen der absehbaren Bedrohung aus holländischer Richtung erheben wollte, als es aber im Anschluss daran zu heftigen Auseinan-dersetzungen zwischen dem Parlament und dem König kam, welches letztendlich unter ande-rem in den englischen Bürgerkrieg mündete.
Der Staat- , und das ist ebenfalls revolutionär bei Hobbes, erhält seine Legitimation nicht durch die Kirche, durch Gott, „König von Gottes gnaden“, nein der Staat wird durch die Bür-ger legitimiert, durch die sogenannten Staatsverträge. Aber man kann nicht annehmen, dass alles so reibungslos verläuft, was geschieht mit denjenigen, die nicht auf ihr Recht auf alles verzichten möchten?

4.2. Widerstandsrecht im Hobbes’schen Staat

Diejenigen, die den Staatsvertrag nicht unterzeichnen, befinden sich weiterhin im Naturzu-stand gegenüber denjenigen, die den Vertrag geschlossen haben. Das heißt-
sie stehen außerhalb des Systems, können praktisch von jedem getötet oder sonstwie ge-schändet werden.
Innerhalb des Systems, also all diejenigen die den Vertrag geschlossen haben, gibt es kein Widerstandsrecht. Einzig und allein, wenn das eigene Leben in Gefahr ist, hat der Bürger im Hobbes’schen Staat das Recht sich der Staatsgewalt zu widersetzen. Ansonsten gibt es für die Bürger des Staates kein Widerstandsrecht. Es ist ihnen noch nicht einmal möglich, bei schlechter Führung durch den Souverän oder durch einer Versammlung, diese abzusetzen. hierbei ist anzumerken, dass Hobbes eindeutig den starken Monarchen bevorzugt, weil eine Versammlung kann untereinander gespalten und zerstritten sein, zudem ist es schwieriger, Immunität einer Versammlung zu gewähren, als einer einzigen Person.
Ein Widerstandsrecht gibt es bei Hobbes im Grunde genommen nicht, es ist klar, dass man sich zur Wehr setzt, wenn das eigenes Leben bedroht ist.

Ich will versuchen herauszuarbeiten in wiefern Hobbes mit seinen Aussagen die Realität ge-streift hat, oder was für uns noch aktuell ist.

5. Hobbes im Spiegel der Zeit

Versuchen wir vielleicht als erstes dem Naturzustand auf den Grund zu gehen. In einer wohl nicht sehr ernst gemeinten Aussage ließ Hobbes verkünden, dass einige Völker Amerikas sich in solch einem Naturzustand befänden. Ich nehme nicht an, dass Hobbes je einen echten Indi-aner zu Gesicht bekommen hat, sonst hätte er wohl nicht solch eine Aussage gemacht. Da ich mich selber ein wenig mit der indianischen Kultur beschäftigt habe, kann ich durchaus sagen, dass die Indianische Kultur der Ureinwohner Amerikas alles andere als dem Naturzustand ähnelt. Aber bleiben wir bei dem Naturzustand, wann tritt oder trat er auf? Hobbes meint hierzu „Daraus ergibt sich klar, dass die Menschen während der Zeit, in der sie ohne eine allgemeine, sie alle im Zaum haltende Macht leben, sich in einem Zustand befinden der Krieg genannt wird, und zwar in einem Krieg eines jeden gegen jeden.“
(Leviathan, Kap. 14). Daraus schlussfolgert Hobbes, dass sobald eine Macht fehlt, die die Menschen in Zaum hält, der Naturzustand ausbricht.

5.1. Von den Anfängen der Menschheit

Schaut man sich die Menschheitsgeschichte an und geht zu den Ursprüngen, fernab von jegli-cher Staatsgewalt, fernab von jeglicher Technologie, dort als die Menschen noch in großfa-miliären Gemeinschaften lebten, so müsste nach Hobbes dort das totale Chaos geherrscht ha-ben, der Naturzustand. Dass dies nicht so war wissen wir, meist verlief das Leben in solchen Clans recht friedlich, es gab kein privates Eigentum, nur Gemeingut, es wurde zusammen gearbeitet und natürlich auch gefeiert, ein Bild, das nicht unbedingt zum Naturzustand passt. Jetzt könnte man entgegnen, dass solch ein Clan ja auch nichts anderes ist als ein kleiner Staat, an dessen Spitze ebenfalls ein starker Patriarch steht. Das mag gut sein aber augenfällig ist doch das Bedürfnis der Menschen, in Gruppen zusammenzuleben. Sie sind keine atomi¬sierten Individuen, die nur durch ihre Triebe gesteuert werden. Anders ist allerdings das Ver¬halten der Clans untereinander, hier kommt es zu gewaltsamen Auseinandersetzungen, Plün¬derungen und Krieg. Hier kann man sagen tritt der Naturzustand ein. Es sind praktisch kleine Staaten und nach Hobbes befinden sich die Staaten untereinander ebenfalls im Naturzustand. Allerdings muss beachtet werden, dass es auch hier schon so etwas wie Bündnisse gegeben hat, oft wurde die Friedenspfeife geraucht und es gab Verbündete und Freunde. Diese Koali-tionen waren zum Teil so stark, dass zum Beispiel damals die Germanen sogar in der Lage waren, so übermächtige Imperien wie das Römische Reich zu schlagen, denn die Germanen lebten noch in einer Stammesgesellschaft.

5.2. Zeichen der Zivilisation

Geht man in der Menschheitsgeschichte ein paar Schritte weiter so ist es eine Geschichte von Kriegen. Ganze Gesellschaften beruhten auf dem Expansionsprinzip. Die Römer beispiels-weise waren auf ständige Expansion angewiesen, ihr Wirtschaftssystem basierte auf der Skla-verei, es wurde ein ständiger Nachschub an Sklaven benötigt.
Das Römische Reich erlangte gigantische Ausmaße und als es an die damaligen logistischen Grenzen stieß und eine weitere Ausdehnung nicht mehr möglich war, die damalige Welt er-obert war, kollabierte es. So oder ähnlich erging es vielen Imperien, die Menschheitsge¬schichte stellt sich dar als ein ständiger Kampf. So lange die Menschheit existiert, wird es wahrscheinlich auch Konflikte, gewaltsame Auseinandersetzungen und Krieg geben. Die eu-ropäische Geschichte ist voll davon, ständig gab es Auseinandersetzungen zwischen den Staa-ten.
Der 30 jährige Krieg zum Beispiel, in ganz Europa nur Chaos, Naturzustand wie Hobbes jetzt sagen würde oder die blutige Inquisition, Hexenverbrennungen, Folter, Massentötungen. Phä-nomene die zum Teil heute noch präsent sind. Dort zeigt der Mensch sein wahres Gesicht, die Bestie, der Wolf im Schafspelz. Kann man das so sagen? Gab es nicht auch friedliche Zeiten, schließlich war nicht überall und immerzu Krieg, gab es nicht auch Freundschaften zwischen den Völkern? Man kann sagen, dass nach und nach eine Außenpolitik entstand, Bünd-nispolitik entwickelte sich, Kriegskoalitionen um nur einiges zu nennen. Nach und nach machte sich Europa auf um die Welt zu unterwerfen, Amerika, Afrika und den Rest der Welt.
Das mit am grausamste Menschheitskapitel vom Mittelalter bis zur französische Revolution bietet viele Indizien, dass das Hobbessche Menschheitsbild und die Theorie des Naturzustan-des unter den Staaten zutrifft.
„Jedermann hat sich um Frieden zu bemühen, solange dazu Hoffnung besteht…Suche Frieden und halte ihn ein..“ (Leviathan, Kap. 14)
Dies sollte im Grunde genommen auch für Staaten gelten aber die Geschichte zeigt uns bis zum heutigen Tag, dass dieses wichtigste von Hobbes Grundgesetzen oftmals, zu oft, igno¬riert wird.

5.3. Auf dem Weg zum Frieden

Es gab Kriege, viele Kriege, doch gab es auch Zeiten des Friedens, in der Regel überwiegen die friedlichen Zeiten. Für Hobbes ist bereits dann Krieg, wenn allein mit Angriff gedroht wird und man ständig Furcht vor einer Attacke haben muss.
Diese Bedrohung nahm im Laufe der Zeit zumindest in Europa ab. Bündnisse wurden ge-schlossen, allen voran Bismarck beherrschte die Diplomatie und erstellte ein kompliziertes Bündnissystem, welches Deutschland bis zum ersten Weltkrieg den Frieden sichern sollte. Dann der Weltkrieg, die Welt im Ausnahmezustand oder soll ich besser sagen im Naturzu-stand?
Das hatte die Menschheit bis dahin noch nicht gesehen, Materialschlachten, Flugzeuge, Gift-gas, Artillerie, Panzerverbände die Professionalisierung des Tötens. Aber auch dieser Krieg sollte bereits nach 4 Jahren beendet sein, die Menschen suchen doch nach Frieden. Eine Epo-che des Fortschritts sollte hereinbrechen. Es begann der Anbruch einer neuen Zeit, viele Staa-ten entwarfen demokratische Systeme, selbst in Deutschland, die Weimarer Republik – ein Garant für ewigen Frieden, schön wäre es gewesen. Doch leider bescherte uns ein kleiner Mann ein weiteres Beispiel grenzenloser menschlicher Perversion. In noch größerem Rah¬men, ja man kann sagen, dass mit Hitler die Industrialisierung des Tötens vollständig ein¬setzte. Ein schöneres Beispiel für die Niederträchtigkeit des Menschen hätte Hobbes nicht finden können, dagegen muss doch der englische Bürgerkrieg so gut wie unbedeutend gewe¬sen sein. Aber Hitler war nicht der einzige Verbrecher, Atombomben auf Städte zu werfen ist genauso zu verurteilen. Einstein hat einmal gesagt“ Der Mensch hat die Atombombe erfun¬den, keine Maus würde je auf die Idee kommen eine Mausefalle zu bauen.“
Der zweite Weltkrieg hat die Menschheit in ein tiefes Loch gerissen dessen Folgen bis heute spürbar sind.
Von dem heißen Krieg ging es nicht etwa in eine Zeit voll Frieden und Freiheit über, nein, hier sollte sich ein kalter Kriegszustand manifestieren. Ein bis dato noch nicht gekanntes Wettrüsten der Supermächte begann. Mit den Waffenarsenalen allein der USA ist es möglich die Menschheit gleich mehrmals auszuradieren. Der Ausspruch, der Mensch sei des Men¬schen Wolf erfährt bei solchen Verhältnissen fast schon eine Verharmlosung des Menschen, eine Beleidigung des Wolfs. Zum Glück wissen wir ja alle, dass auch dieser Krieg einmal zu Ende ging, doch die Waffenarsenale blieben bestehen.
Nun jährt sich der 11.September, die Bedrohung durch den Terror und durch ominöse „Schurkenstaaten“ wuchs in den Köpfen und bestimmt das Handeln speziell der Amerikaner. Präsident Bush nahm dies zum Anlass, den Militärhaushalt um satte 43 Milliarden aufzusto-cken. Das ist ein Anstieg von über 10 % binnen eines Jahres, der höchste Anstieg seit Reagan.
Der Militärhaushalt der USA betrug 2002 343,3 Milliarden Dollar im Vergleich dazu betra¬gen die weltweiten Rüstungsausgaben im Jahr 2000 811 Milliarden Dollar.
Für 2003 plant Bush eine weitere Aufstockung, auf eine bis dahin nie gesehene Summe, höher als zu Zeiten des kalten Krieges. Vergleicht man diese Zahlen mit dem Militärbudget des be-völkerungsreichsten Landes, China, der gerade einmal 17 Milliarden Dollar beträgt so ist es erschreckend. Vor allem wirft es die Frage auf, wo wollen die Amerikaner überhaupt hin? Immer mehr Staaten bewaffnen sich mit Atomwaffen, Bush verkündet lauthals die Entwick-lung von neuen Atombomben, die „Mini-Atombomben“, nicht so schlimm wie die großen, falls mal ein Bunker im Weg steht… wo soll das Enden? Es herrscht Krieg, der Naturzustand zwischen den Staaten wie ihn Hobbes beschrieb.
Aber ganz so einfach ist das auch wieder nicht, es gibt genügend Beispiele Hobbes zu wider-legen. Was ist zum Beispiel mit Europa, der EU? Innerhalb der EU herrscht Frieden, Solida-rität, seit neuestem sogar eine gemeinsame Währung. Wie ist das zu erklären? Nach Jahrhun-derten Krieg und Chaos in Europa, wie zuletzt beim zweiten Weltkrieg, nun dieses friedliche Miteinander. Aber vielleicht hilft uns auch hier Hobbes weiter.
Meine Schlussfolgerungen sind, dass die Naturgesetze allgemein gültig sind, demnach kann man sie auch auf Staaten anwenden. Suche Frieden solang nur Hoffnung danach besteht, frei nach Hobbes, so das wichtigste. Nun kann man aber nicht einen Staat gleichsetzen mit einer Person. Bei der einzelnen Person treten die Triebe natürlich stärker hervor als bei einem Staat. Der Staat ist ein Geflecht aus einer Vielzahl von Menschen, viele tragen zur Meinungsbildung und Handlung bei, auch wenn der Staat wie nach Hobbes Wunsch ein absoluter sei, so ist der Monarch auch auf seine Gefolgsleute angewiesen. Es werden Hierarchien und Bürokratie für ein Funktionieren des Staates benötigt und in diesem Staatsapparat kommen die Triebe, die den Menschen nach Hobbes hauptsächlich steuern, nicht so sehr zum Ausdruck.
Die Logik und die Vernunft überwiegen im Staat. Hier wird nicht oder zumindest weniger affektuell und impulsiv gehandelt, was meist auch gar nicht möglich ist, nein hier wird strate-gisch geplant und meist auch gehandelt. Länder sind meist auch auf andere angewiesen, wirt-schaftlich oder militärisch.
Dies gilt im besonderem Maße für Europa, hier sind besonders nach dem zweiten Weltkrieg enge Freundschaften entstanden und aus wirtschaftlicher Zusammenarbeit gesellte sich schon bald die politische und auch militärische.
Schaut man auf Europa könnte man fast meinen es wäre ein Staat, gleiche Währung, keine Grenzen, Friede, Freundschaft und dies nach Jahrhunderten voll von Krieg und Elend. Man könnte sagen die Naturgesetze haben gegriffen, letztendlich wäre die logische Konsequenz daraus, dass sich nach und nach immer mehr Staaten zusammenschließen, das Kriegsbeil be-graben und sich Unionen bilden. In Afrika hat sich jüngst solch eine Union gegründet, in Asien gibt es auch so eine Art Wirtschaftsunion. Irgendwann werden diese Unionen um die letzten Ressourcen kämpfen und danach die alles umspannende Weltunion, der Kapitalismus könnte endlich zu Grabe getragen werden und alle Menschen würden sich an die Hände fas-sen und glücklich sein. So oder ähnlich müsste man weiterdenken.
Aber hinter allem stehen Menschen, Menschen mit ihren Schwächen und Fehlern, die an den Tag gelegte Vernunft soll nur den wahren Charakter verdecken, die Bestie, die in jedem von uns steckt. Aber man soll die Hoffnung nie aufgeben, dass es eines Tages besser wird.

6. Zusammenfassung

Nun kann man über Hobbes so vieles denken, ihn kritisieren, bemängeln und seine Verach¬tung ihm gegenüber bekunden, aber es soll ja sogar Hobbesianer geben, die ihn verehren. Für mich ist Hobbes schon eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Er war einer der ersten Philo¬sophen, der versucht hat mit naturwissenschaftlichen Methoden zur Erkenntnis zu gelangen. Dabei ist ein Lebenswerk entstanden, welches erst nach seinem Tod hinreichend gewürdigt wurde.
Unmittelbarer Bestandteil und Kernelement seiner Theorie ist das, hier im Ansatz
behandelte, Menschenbild und der daraus resultierende Naturzustand.
Bis heute lohnt es, sich mit seiner Theorie auseinander zusetzen, ganz zu schweigen was sein Werk in den Köpfen der Menschen bewirkt hat, wo wäre die Politikwissenschaft heute ohne solche Leute wie Hobbes?
Durch seine Methoden wurde die Wissenschaft geprägt, er verstand es die Komplexität des Gegenstandes in einfache Formeln zu bringen, er benutzte Modelle, abstrahierte und verein-fachte. Doch bei diesem Modelldenken bleibt die Realität auf der Strecke, ähnlich wie das Bohr’sche Atommodell die Grundidee der chemischen Reaktion anschaulich darstellt, aber nicht die Komplexität einer realen Reaktion wiedergeben kann, ist es beim Hobbeschen Mo-dell der gleiche Fall. In der Gesellschaft wirken soziale Beziehungen, Moral, Religion, famili-äre Bündnisse, Verpflichtungen, Liebe und Freundschaft. Trotzdem ist sein Modell herausra-gend und in seiner Art einmalig.
Und wie man hoffentlich erkennen konnte, ist es sogar möglich, heutige Erscheinungen mit dem Hobbes’schen Denkmodel zu vergleichen oder gar zu erklären. Sicher wird das nicht ganz die volle Wahrheit widerspiegeln aber es ist zumindest interessant. Schließlich liegt das Leben des Thomas Hobbes gute 350 Jahr hinter uns. Es ist ein Leichtes, 350 Jahre später zu sagen hier und dort liegt er falsch, schließlich steht uns 350 Jahre mehr Wissen zur Verfü¬gung.
Wichtig war es mir auch zu zeigen, wer überhaupt Hobbes war und in welcher Zeit er gelebt hat. Ein Kind, das im Frieden aufwächst wird kaum die Bestie im Menschen sehen, ein Kind des Krieges schon. Nun ist die Frage, ob das Menschenbild nicht wandlungsfähig ist oder besser gesagt die Natur des Menschen. Weit über 1000 Jahre vor Hobbes lebte Aristoteles, der nun wiederum ein ganz anderes Menschenbild hatte. Der Mensch sei ein „zoon politikum“, ein Wesen, das nach Gemeinschaft strebt, ein staatenbildendes Wesen wie Ameisen oder Bie¬nen. Ich glaube, man muss nach der wahren Natur des Menschen in der Mitte von beiden su¬chen. Gibt es überhaupt so etwas wie die Natur des Menschen? Sind wir nicht alle Individua¬listen, jeder anders, der eine aggressiv, der nächste passiv? Schwierig sehr schwierig, dennoch gibt es so etwas wie ein Kollektivbewusstsein, einen kleinsten gemeinsamen Nenner und ich glaube auch, dass dieser nicht statisch ist, sich in einem ständigen Wandel befindet, von Ge¬neration zu Generation unterschiedlich ist. Und gerade dies macht die Sache so unglaublich schwierig und auch leicht falsifizierbar. Dennoch tat Hobbes das Richtige und beeinflusste Generationen von Denkern. Sobald man sich mit Staatstheorien etwas genauer beschäftigt, führt kein Weg an Hobbes vorbei.
Mit diesen Worten möchte ich schließen und hoffe, dass Hobbes mit seinem Menschenbild doch etwas falsch lag und wir uns nicht gegenseitig vernichten, Europa könnte ein Vorbild für eine friedliche Welt sein.

7. Literaturverzeichnis

Richard Tuck, Hobbes, Herder Verlag 1999

Thomas Hobbes, Leviathan – Herausgegeben und eingeleitet von Iring Fetscher, Suhrkamp 4. Auflage 1991

Ferdinand Tönnies, Thomas Hobbes – Leben und Lehre, Friedrich Frommann Verlag 3. Auf-lage

A.P. Martinic, Thomas Hobbes, Macmillian Press LTD, London 1997

Lips,J., Die Stellung des Thomas Hobbes zu den politischen Parteien der großen englischen Revolution, Verlagsbuchhandlung, Leipzig 1927

www.philosophen-Lexikon.de

www.philolex.de

www.members.surfen.at/patrickhorvath/hobbes.htm


3 Antworten auf „Das Menschenbild und der Naturzustand in der Staatstheorie des Thomas Hobbes“


  1. 1 haha 14. Dezember 2012 um 9:22 Uhr

    :)

  2. 2 spinner 18. Februar 2013 um 8:38 Uhr

    Das ist voll die scheisse Leute! 11 D

  3. 3 Lamiya 12. Mai 2013 um 19:48 Uhr

    Wow die Arbeit hat mich echt beeindruckt! Es war verständlich und mir eine sehr sehr große Hilfe für mein morgiges Referat :)

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